Samstag, 19. Oktober 2013

Todesengel

Wäre Andreas Eschbach ein Sportler , würde ich ihm mangelnde Konstanz in der Leistung vorwerfen. Spätestens seit dem unterirdischen Werk „Der Nobelpreis” kann ich seine Bücher nicht mehr unbesehen lesen. Manchmal ist es spannend, manchmal einfach nur konfus.

In diesem Jahr erschien mit „Todesengel” endlich mal wieder ein Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Der Themenkomplex ist ebenso aktuell wie kontrovers. Äußerlich geht es um Jugendgewalt-Kriminalität und die Frage, ob es eine Entscheidung freien Willens ist, kriminell zu werden oder nicht. Der Kern der Geschichte beleuchtet aus allerlei Richtungen die Ansätze der Gesellschaft mit dem Problem umzugehen.

Das Ganze wird spannend um einen vermeintlichen Superhelden arrangiert, der die anonyme Großstadt ‚beschützt’. Glücklicherweise werden auch die Leser, die anfangs vielleicht auf der Seite des Vigillanten stehen, am Ende mit einer heftigen Kopfnuss darauf gestoßen, dass Selbstjustiz einfach nicht funktioniert.

Endlich mal wieder ein richtiges Lesevergnügen von Andreas Eschbach.
Gruß
Uwe

Montag, 23. September 2013

Von einem, der auszog...

Mit Horrorfilmen tue ich mich meist etwas schwer. Irgendwie gelingt es den Regisseuren höchst selten, mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Alien war so einer: der erste Film, bei dem ich überhaupt so was wie Angst empfand. Eine halbe Hand voll anderer Filme mag es geben, die das auch geschafft haben.

Seit einiger Zeit wird ein Film gehyped (ok, das Wort ist gruselig!), der aufgrund seines Titels in der Geocacher-Szene im Vorfeld allerhand Beachtung fand: Lost Place. Der aus der deutschsprachigen Geocacher-Szene stammende Pseudo-Anglizismus bezeichnet verfallene bzw. verwilderte Orte, an denen Geocacher vor mehr oder weniger als aufregend empfundene Aufgaben gestellt werden.

Allen Geo-Muggles sei hier versprochen: Der Film hat mit Geocaching nicht viel zu tun. Nur die Einleitung nimmt ironisch die gegenseitige Perspektive zwischen den cachenden Techno-Nerds und den sie begleitenden Muggles, die vor selbsempfundener Coolness kaum atmen können, auf die Schippe.

Das war mir eigentlich schon vorher klar und so ging ich heute mit denkbar geringen Erwartungen ins Kino (man will ja mitreden können).

Ich muss zugeben, dass ich angenehm überrascht wurde. Thorsten Klein liefert hier zwar kein großes Hollywood-Kino ab, aber es gelingt ihm auch fotografisch eine recht dichte Athmosphäre aufzubauen, die zwar auf mich nicht selbst bedrohlich wirkt (blöd, wenn man von der beschriebenen Technik Ahnung hat), aber die von den Charakteren empfundene Angst kommt exzellent rüber und hat sich spürbar auf mich übertragen. Während ich anfangs noch gelegentlich auf die Uhr sah, fühlte ich mich am Ende der 1 ¾ Stunden gut unterhalten.

Ein deutscher 3D-Film ist ja zur Zeit noch eine Seltenheit. Als sehr angenehm habe ich empfunden, dass die Tiefe nicht im Vordergrund steht, sondern wie selbstverständlich daherkommt. So soll 3D-Kino für meinen Geschmack sein.

Fazit: Kann man sehen, muss man aber nicht unbedingt im Kino tun, falls man auf 3D verzichten kann oder will.
Gruß
Uwe

Sonntag, 9. Juni 2013

Quickie: Inferno

Dan Brown's neuestes Robert-Langdon-Geschichte „Inferno” hält, was „Illuminati” und  „Der DaVinci Code” versprechen. Nach dem etwas zähen „Last Symbol” hat die Geschichte wieder ordentlich Tempo und wenn man die Schauplätze kennt, macht es besonders viel Spaß!

Am Ende trägt Brown im Erstreben eines besonders unerwarteten Endes eine Spur zu dick auf. Weniger wäre vermutlich mehr gewesen, aber am Ende bleibt dennoch das Gefühl gut unterhalten worden zu sein.
Gruß
Uwe

Sonntag, 17. März 2013

Der Untergang

Auf welchem Boden gedeihen Populismus und Radikalismus? Einen Denkanstoß, die Antwort auf diese Frage zu finden, liefert Timur Vermes' „Er ist wieder da”.

Er braucht zwar ca. 50 Seiten, bevor die Story richtig in Fahrt kommt, aber Durchhalten lohnt sich. Neben, stellenweise ausgesprochend überraschender, Situationssaukomik folgt ein Hieb auf die moderne, alltägliche Dekadenz durch alle Gesellschaftsschichten nach dem anderen. Vermes legt rotzfrech den Finger in die offenen Wunden des besten uns bekannten Gesellschaftssystems, allerdings ohne so zu tun als ginge es anders besser.

Besonders bitter ist, dass der Leser hier nicht über Adolf Hitler im Robinzak-Anzug lacht, sondern mit ihm. Aber wie der Autor ihn selbst betonen lässt: „Das Thema Juden ist nicht witzig.” Ein Blick in den Spiegel, den man unbedingt werfen sollte…

Gruß
Uwe